„Sono pazzi“ und die kleinen grünen Männchen aus dem Weltall

when I grow up, I will be a city

„Sono pazzi“ bedeutet so viel wie „die sind doch alle vollkommen bekloppt hier“. Roberto, der lustige dicke Hotelier in Arona zum Beispiel, der sagt sowas mit Innbrunst ständig. Genau hier offenbart sich die italienische Volksseele. Bekloppt sind hier wie daheim natürlich immer die anderen… „Sono“ kann im Italienischen aber „die sind“ genauso wie „ich bin“ heißen. Und wer ist nun der Bekloppte? Weitere Erklärung aber völlig überflüssig, natürlich sind per Definition grundsätzlich und überhaupt immer und stets die anderen bekloppt. Addieren wir nun noch die typische Wortreihenfolge der italienische Sprache (üben Du musst…) sind wir schwups beiden kleinen grünen Männchen aus dem Weltall bzw. dem Star Wars Universum.

Ergo steckt in jedem kleinen Italiener eigentlich ein kleiner grüner Jedi Ritter und hassunichgesehen sind damit auch die italienischen Verkehrsregeln claro. Is doch immer wieder hübsch, wenn die Welt zu erklären Du nicht denken so lange musst.

Roberto haben wir schweren Herzens in Arona zurück gelassen und sind weiter gen Westen nach Monforte d‘Alba gereist. Mit der Landkarte Italiens vor Augen ist das oben links an der Stiefelkrempe, so in etwa kurz vor dem Schritt. Die Nachbargemeinde ist Barolo und damit ist auch sofort erklärt, warum es hier vor Enotecas nur so wimmelt. Wo wir gerade bei Enotecas sind: kennt jemand die Definition von „Erkenschwick“ nach Douglas Adams? Das ist ein zu spät erkannter Makel! Genau so ein zu spät erkannter Makel ist die Enoteca direkt in unserem wunderschönen Hotel exakt unter uns.

viewpoint

Nun wechseln wir den Tag und die Perspektive und Zack ist dies plötzlich die beste Enoteca der Welt. Mit Guidos Anleitung haben wir uns nämlich durch sämtliche Hanglagen der Nachbarschaft getrunken und sind zu Experten in Sachen Barbera und Barolo mutiert.

Zuvor sind wir nach Barolo gewandert und haben Weinbergsurfen entdeckt.

more than meets the eye

Nach ausgiebigen Regenfällen waren die Weinberge mit glitschigem Lehmboden bedeckt und wir sind erst durch die Weinberge geglitscht, sahen später aber auch genau so aus…

P.S. Auf jedem Kanaldeckel Roms steht übrigens SPQR, soll heißen „Sono Pazzi Questi Romani“ = „die spinnen, die Römer“ und schon sind wir wieder bei den Komikern der neuen italienischen Regierung. Es gibt eben Dinge, die ändern sich nie.

Al Lago oder der wahre Grund, warum die Italiener keine bemannte Raumfahrt betreiben

Wir haben die unfreiwillige Komik des Alltages für einige Tage verlassen und sind ausnahmsweise nach Italien gereist. Mal ganz im Ernst, denn hier stellen die Komiker mittlerweile die Regierung. Aber auch sonst ist der kleine Italiener an sich für Scherze meist gern zu haben. Wir sind Südende des Lago Maggiore in Arona angekommen und der omnipräsente Hotelier Roberto ist hier einfach großartig.

Erstens ist er Konditor und das Frühstück dementsprechend boshaft lecker, zweitens ist er ein äusserst engagierter Handwerker drittens ständig zu Scherzen aufgelegt. Und exakt hier schließt sich der Kreis, denn die letzten beiden Eigenschaften Roberto‘s verbinden sich zu einer geradezu unheimlichen Allianz. Echte Handwerker sind zuweilen die wahren Könige der unfreiwilligen Komik.

Roberto jedenfalls hatte gestern eine kaputte Klimaanlage und war wirklich sehr unglücklich darüber. Heute Morgen war dann unser Bad etwas unter Wasser. Die Handtuch-Heizung (!) war auf ca. +1 Grad herunter gekühlt und das Kondenswasser lief nur so herunter. Ich gebe 10 Punkte für die alternative Nutzung der Heizung als Kühlelement aber wegen des dezent überschwemmten Bades gibt es einen klitzekleinen Punktabzug in der B-Note.

Beim Frühstück heute morgen lief dann auch die Klimaanlage wieder volle Pulle und Roberto war mächtig stolz auf seine Reparatur. Er sei kein Ingenieur aber wäre schon gern Atomphysiker geworden. Ich bete zu Gott, dass ich diesen Satz nur wegen meines mangelnden Sprachverständnisses im Italienischen so verstanden habe, denn ich fürchte mich sonst vor weiteren Reparaturen.

Wir sind wirklich sehr gerne bei Roberto zu Gast aber trotzdem sehr froh darüber, dass die Italiener das mit der bemannten Raumfahrt noch ein wenig verschieben.

Das Wetter hier ist übrigens sehr bescheiden, der Lago dagegen wirklich schön. Gestern sind wir nach 12 Stunden im Auto auf dem Weg zum Abendessen auf einem Street-Food-Festival versackt.

Heute waren wir schwer aktiv und sind mit dem Schiff in den Borromäischen Golf des Lago Maggiore zu den Borromäischen Inseln und dem Palazzo Borromeo gefahren. Palazzo, Barockgarten und die im Garten lebenden Pfauen sind echt ein

Fazit: „al lago“ war trotz überwiegend miesem Wetter eine gute Idee, denn so richtig humorlos böse regnet es heuer nur im Norden des Sees bei den Schweizern.

Liebe Grüße aus bella Italia,

Patrick und Bernadette

Ey! Ich hab Sonne gebucht und nein, ich bin kein Schwede

Mit dem Alter kommen Alterserscheinungen und mit der Zivilisation kommen Zivilisationserscheinungen. Ein Mischform aus diesen beiden Problemkreisen sind die Berge von Handtüchern, die sich aus dem scheinbaren Nichts heraus vor dem Frühstück hier auf den Strandliegen unseres Resorts in Khao Lak materialisieren. Das ist ein klitzekleines Bisschen unromantisch. Und das, obwohl wir fast ausschließlich von Schweden umgeben sind. Waren es nicht die Schweden, die für putzige Filmchen mit romantischem Inhalt in den frühem 70ern des letzten Jahrhunderts bekannt waren? Möglicherweise ist dies nun die Rache der gemeinen Schweden. Wenn sie schon keine so tollen Autos bauen können wie die Deutschen und selbst die schwedische Filmindustrie darnieder liegt, dann übertreffen sie die Deutschen zumindest beim Strandliegenmithandtuchbelegen im Urlaub.

Alter Schwede!

Ansonsten passiert hier wenig. Bernadette und dem Wetter ist nich ganz wohl, ich bin etwas faul und selbst Ebbe und Flut verzögern sich jeden Tag ein wenig mehr. Susanne dagegen ist sportlich wahnsinnig aktiv und produziert mit unserer Hilfe Fake-Sport-Videos.

flow

Heute Abend ging es Bernadette und dem Wetter wieder besser und es gab wieder einen Sonnenuntergang.

a coconut with a view

last light

Morgen werden wir einen weiteren Schritt für unsere Rückführung in die Zivilisation unternehmen und in den Robinson Club in Khao Lak umziehen.

So long,

from the person formerly known as Kitty

Zurück in die Zivilisation and bye bye Kitty

Mit 4 verschiedenen Flügen mit 4x Koffer-Einchecken und 4x wieder-Koffer-Abholen haben wir uns von Myanmar verabschiedet und sind nach Khao Lak in Thailand an den Strand gereist. Erleichtert und ein wenig überrascht stelle ich fest, dass diese überaus seltsame Flugticket-Konstruktion auch tatsächlich funktioniert hat.

Der Unterschied zwischen diesen beiden asiatischen Nachbarländern ist erstaunlich. Die Flughäfen in Nyaung U und Heho in Myanmar erschienen noch wie etwas heruntergekommene olle Busbahnhöfe. Das „Gate“ ist nur eine der flugfeldseitigen Türen und dort ruft dann jemand etwas und hält einen Zettel oder ein Schild hoch. Die vor allem von hektischen Japanerinnen durchsetzte Touristenfraktion rennt dann zu dieser Tür und wie der Türsteher einer Diskothek sortiert der Airlinemitarbeiter dort die zum Flug passenden Menschen aus und schickt die anderen wieder weg. Beim Umsteigen in Heho stapft man von der Ankunftshalle zur Abflughalle entweder durch die Blumenrabatten wie wir oder durch Einfahrt und Tor raus auf die Straße und wieder durch die nächste Einfahrt zurück. Hmm. In Yangon gab es dann schon richtige Gates mit dem üblich lustigen Umweg an einigen Shops vorbei und dann gab es dort sogar noch Teppichboden.

Später in Bangkok waren wir – Zack – zurück in der Zivilisation. Effizient und etwas hektisch wuselten Myriaden von gestylten einheimischen Menschen um uns herum. Der Flug von Yangon nach Bangkok hat uns abrupt auch gleich in ein funkelndes Shoppinguniversum versetzt. „Scotty, beam me east for shopping, pleeeease“.

So, und wie ging es wohl weiter? Die beiden Frauen haben dann tatsächlich eine Shoppingtour unternommen. Ich hab mich in eine Coffeeshopfiliale gerettet und zwischen lauter Tall-Fusion-Strawberry-Iced-Mocca-Latte-Frappuchino-Grande einen simplen Cappuccino auf der Karte gefunden und alles war gut.

5 Dinge, die wir an Myanmar vermissen werden:

1. Die authentisch freundlichen & sehr herzlichen Burmesen

2. Die schier unglaubliche Anzahl an beeindruckend schönen Pagoden und Tempeln

3. Der Lebensrhythmus und der deutliche spürbare Einfluss des Buddhismus auf das tägliche Leben in Myanmar

4. Die mit Stolz präsentierte Handwerkskunst

5. Die authentisch freundlichen & sehr herzlichen Burmesen

a little derelict

colorful pagodas

just a detail

5 Dinge, die wir an Myanmar nicht vermissen werden:

1. Das doofe, fast blickdichte aber ungemein reissfeste Strech-Krepp-Klopapier

2. Das Sammeln des noch dooferen, weil benutzten Strechkreppklopapiers in Eimerchen neben dem Klo

3. Das oft kaum verständliche Englisch

4. Die Staublunge welche man sich als Fahrradfahrer oder Fußgänger einfängt

5. Betelnusskauer, die gleich eimerweise knallroten Speichel ausspucken

Ansonsten haben wir uns von meinem Pseudonym Mr. Kitty verabschiedet. Die effizienten Thais haben mir direkt hinter der Zollkontrolle eine lokale SIM verkauft, diesmal aber vorher meinen Pass fotografiert. Nix mehr mit putzigem Pseudonym.

Welch humorlose Bande!

Liebe Grüße,

Pat

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

Zum Abschied von „Inne Lake“ macht die birmanische Hochebene wettertechnisch einen auf norddeutsche Tiefebene und bietet sämtliche Wettervarianten in kurzer Abfolge. Photographisch gab es dabei mehrere Steilvorlagen, die ich mir aber auch redlich verdient habe! Ich bin nämlich tatsächlich mehrere Stunden gewandert, ohne zu nörgeln. So etwas muss einfach ein verdammt sauberes Karma verursachen.

posing

no haste

Dann haben wir uns tapfer durch die eine oder andere Tiefebene der Kochkunst in diesem Land hindurchgefuttert. Eigentlich wollte ich die lokalen Speisen ernsthaft alle durchprobieren, erkläre diese bekloppte Idee aber per sofort für beendet. Meine persönliche Antwort auf unschöne Überraschungen beim Essen hier sieht immer gleich aus und besteht in der Bestellung von Bratnudeln. Bei zweifelhaften Hygieneverhältnissen kann man dann noch genügend Cilli-Öl darüber kippen und Zack sind auch fiese potenzielle Magendarmkeime verscheucht.

Den gemeinen Birmanen mit buddhistischen Grundhaltung ficht so etwas nun gar nicht an. Die haben überhaupt eine bemerkenswerte Toleranz. Beeindruckt war ich nach einem Bootsunfall am Inle Lake, der zwar glimpflich ablief, jedoch potentiell durchaus gefährlich war. Unser Boot wurde von einem anderen Boot heftig gerammt, welches auf der falschen Seite fuhr und mit Vollgas und ohne Sicht um die Ecke kam. Der gegnerische Kahn war glücklicherweise genügend schwer beladen, sodass nur die Holzrümpfe kollidiert sind. Bei einem unbeladenen Boot hätte der Bug so weit aus dem Wasser geragt, dass erst ich und dann Bernadette vom Rumpf getroffen worden wären. Der erschrockene Bootsfüher und der Guide erkundigten sich nur, ob wir denn wirklich unverletzt seien. In Italien wäre „Stronzo“ noch die schmeichelhafteste Bezeichnung für den Unfallgegner gewesen und auch ich hätte als Bootsfüherer erstmal ein heftiges Gebrüll aus den Niederungen des Stammhirnes abgesondert. Hier dagegen lächelt der kleine birmanische Bootsführer den Vorfall einfach wech und es fällt kein (!) lautes Wort. Möglicherweise sollten sich der gemeine Italiener und auch ich von den kleinen Birmanen etwas abgucken. Die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie sind und nicht zu bewerten, ist unzweifelhaft schlau und schont so nebenbei das eigene Herzkreislaufsystem. Fazit: schöner Gedanke aber für mich es war möglicherweise eine prima Idee, keine Karriere als buddhistischer Mönch anzustreben…

glowing

Mittlerweile sind wir nach Bagan im Bundesland Mandalay Division weitergereist. Um 5 Uhr 30 zu starten, um ausgerechnet Sylvester den Sonnenaufgang zu erleben ist ein schöner Abschied von 2017. So wie im echten Leben sind wir nun um 18 Uhr nicht mehr ganz taufrisch 🙂

temples and balloons

faith

ananda temple

happynewyear & liebe Grüße von Mr. Kitty